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FUSSBALL HISTORY


    "it's not cricket"

 

Niemand weiß genau, wann der Mensch auf den Ball gekommen ist - irgendwann in grauer Vorzeit. Auch Fußball hat eine mindestens 3000 Jahre alte Geschichte. Der genaue Ursprung des Ballspiels ist unbekannt. Aber es gibt Hinweise, dass fast überall auf der Welt zu fast allen Zeiten mit Bällen oder Kugeln gespielt wurde: von den alten Chinesen bis zu den Azteken, Indianern, Griechen und Römern und den keltischen Stämmen Europas.

China

In China spielte man schon vor 3000 Jahren Fußball - Tsu Chu hieß dieser Sport. Ein Schriftzeichen beschreibt sehr genau, was man sich darunter vorzustellen hat.

 

"Ein Ball aus Leder gemacht, gefüllt mit irgendwas, damit man ihn umher
kicken kann, zur Erholung, wenn
man Zeit dafür hat."

Die Chinesen spielten eine sehr technikbetonte Form des Fußballs: es kam vor allem darauf an, den Ball mit dem Fuß zu jonglieren und ihn dann einem Mitspieler zuzuspielen. Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr.  sollen es die Chinesen gewesen sein, die ein fußballähnliches Spiel ausübten und damit als Entdecker einer Sportart gelten, die längst ihren Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat.

Das Ts´uh-küh  (d.h., den Ball mit dem Fuß stoßen) wird erstmals 2697 v.Chr., zur Zeit der Huang-Dynastie erwähnt. Von den Regeln des ältesten chinesischen Fußballspiels ist nichts mehr bekannt, nur dass das Spiel zur militärischen Ausbildung gehörte und zunächst auch ausschließlich von Soldaten gespielt wurde. Anfänglich benutzte man einen mit Federn gefüllten Vollball, der gegen zwei fünf Meter hohe Tore gespielt wurde.
Eine Variante erzählt von einer mit Federn und Haaren gefüllten Lederkugel. Diese musste mit dem Fuß in ein an langen Bambusstangen befestigtes kleines Netz mit etwa 30 bis 40 cm Öffnung gestoßen werden, ein Kunststück, das sicherlich sehr viel Geschicklichkeit und gute Technik verlangte. Daneben existiert eine andere Version, bei der die Spieler nicht ungestört das Ziel anvisieren konnten, sondern den Ball mit Füssen, Brust, Rücken, Schultern nur nicht mit der Hand zu spielen und sich gegen Angriffe eines Gegners zu behaupten hatten. Die kunstvolle Balltechnik der heutigen Spitzenspieler ist also gar nicht so neu, wie oftmals angenommen wird.

 
Aus der Tangzeit, der ersten Hochblüte des alten China um 1280-618 v. Chr. ist ein Gedicht überliefert, in dem es heißt, dass man einen Ball aus acht Lederstreifen nähte. Um Luft in den Ball zu bekommen, erhitzte man das Leder und kühlte es nachher im Wasser ab, dann wurde der Ball mit Fäusten und Füßen herumgestoßen, also ein rugbyartiges Fußballspiel betrieben.  

In der Epoche der Ts'in-Dynastie bis zum Ende der Sui-Dynastie (221 v. Chr. bis 618 n. Chr.) erreichte das Fußballspiel in China den Höhepunkt seiner Beliebtheit. Es wurde zum Unterhaltungssport und nahm professionelle Züge an. Die Regeln wurden in einem 25 Kapitel umfassenden Handbuch niedergelegt. Pokale und kostbare Stoffe wurden als Preise für siegreiche Mannschaften vergeben. Auch Frauen spielten Fußball. Erstaunlicherweise verschwand dieses Spiel um 900 n. Chr. völlig und geriet in Vergessenheit.

         

Konfuzius
551-458 v.Chr.

 

JAPAN

Wahrscheinlich von China her (seit dem 8. Jahrhundert n.Chr.) ist das Fußballspiel in etwas anderer Form, nämlich als Kreisfußball, nach Japan gekommen und dort noch heute als Kemari bekannt. Das Spiel wurde in eine kultische Zeremonie eingebunden, die auf den Tempelbezirk als Schauplatz und den Hochadel als Teilnehmer beschränkt blieb.
 

Viel weniger spektakulär, dafür feierlicher, würdevoller, eine zeremonielle Übung, die zwar Geschicklichkeit verlangt, aber sicher keinen Wettkampfcharakter wie das chinesische Spiel und schon gar nicht die Art eines Kampfes um den Ball hat. Auf relativ kleinem Raum spielen die Akteure einander den Ball zu, ohne dass er den Boden berühren soll.

Das Kemari wird von 4 bis 6 Spielern bestritten, die - in prächtige Kimonos gehüllt - sich im Kreis aufstellen und mit ebenso viel Würde wie Geschicklichkeit versuchen, den Ball abwechselnd hoch zu kicken und so lange wie möglich in der Luft zu halten. Noch heute pflegen zwei Kemari-Clubs in Kyoto die Tradition des Spiels.

Ägypten, Antike und Mittelalter

 


Die alten Ägypter nahmen den Ball sogar mit ins Grab. Zu sehen ein Ball aus Leinen, gefunden in einem Grabmal.  Lebhaft ging es beim griechischen "Episkyros", von dem relativ wenig überliefert ist, zu.

 

Ein Relief aus dem griechischen Nationalmuseum von Athen: ein junger Mann jongliert einen Ball auf dem Oberschenkel. Vermutlich dienten solche Übungen dazu, die Körperbeherrschung zu trainieren. Das griechische Relief datiert in die Mitte des vierten Jahrhunderts vor Christus.
 

Bei den Römern war der Ball kleiner, zwei Mannschaften spielten auf einem rechteckigen Feld gegeneinander, das durch Grundlinien abgegrenzt und durch eine Mittellinie halbiert war. Der Ball musste hinter die Grundlinie des Gegners befördert werden. Es wurde zugespielt, getäuscht, die Mitglieder einer Mannschaft hatten schon verschiedene taktische Aufgaben, und das Publikum nahm lautstarken Anteil an ihren Leistungen und am Ergebnis. Der Fuß spielte, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle. 700 oder 800 Jahre lang blieb dieses Spiel sehr beliebt. Die Römer brachten es auch nach Britannien mit, aber ob es als wesentlicher Vorläufer angesehen werden kann, bleibt zweifelhaft - ebenso wie beim "Hurling", das unter der keltischen Bevölkerung populär war und auch heute noch - in Cornwall und in Irland betrieben wird. Einflüsse mag es gegeben haben. Aber auf jeden Fall fand die entscheidende Entwicklung des Spiels, das wir heute als Fussball kennen, in England und in Schottland statt.
 

Ob das "Harpastum" der Römer etwas mit Fußball zu tun hatte oder nicht, darüber streiten sich die Gelehrten noch heute. Da es oftmals in Verbindung mit dem Ringkampf erwähnt wird, deutet vieles darauf hin, dass es sich eher um eine Art Raufballspiel handelte. Zumindest verbreiteten es die römischen Legionäre auf ihren Eroberungsfeldzügen überall in Europa. In machen Gegenden verband es sich mit neuen Spielideen, so darf Harpastum als ein Ahnherr der Ballspiele gelten, die sich im Mittelalter in England, Frankreich, Italien und Deutschland herausbildeten.
 

Im europäischen Mittelalter wurde das Fußballspiel ein zweites Mal erfunden - nachdem die Chinesen dies bereits getan hatten. Entgegen anderen Behauptungen wurde in der Antike nicht Fußball gespielt. Zahlreiche Ballspiel im Rahmen gymnastischer Übungen sind zwar erwähnt, doch liegen die Wurzeln des Urfußballs in Nordfrankreich und England. Von den Anfängen bis zur Festschreibung der Regeln im 19. Jahrhundert war es ein rohes Spiel und keineswegs gefahrlos. Die offene Mannschaftsstärke ließ Streit zwischen Dörfern - unter dem Deckmantel des Spiels - oftmals zur anarchischen Massenschlägerei mutieren. Der Brauch, die Waffen für die Dauer des Spiels nicht abzulegen, zahlten viele mit ihrem Leben.

Es ging rustikal zu im mittelalterlichen Europa. Dort war Football ein mehr als körperbetontes Spiel. Verletzte und Tote waren keine Seltenheit. Football, in Italien nannte man ihn Calcio, kannte nahezu keine Regeln - wäre nicht in irgendeiner Art und Weise ein Ball beteiligt gewesen- man hätte wohl den Eindruck gehabt, einer riesigen Massenschlägerei beizuwohnen.

div. Länder

In Hinterindien und Indonesien hat sich ein Kreisfußballspiel mit aus Rotang geflochtenen Bällen bei den Naturvölkern bis in die heutige Zeit erhalten. Dieses Simpak steht im Zusammenhang mit religiösen Festen; an ihm nehmen oft mehr als 20 Spieler teil.

 

Freizeitfußballer in Russland
 anno 1810

 
Amerika

Mexiko zählt als Heimatland der alten Ballspieltradition und man findet in fast allen Kulturen Mexikos Ballspielplätze vor, über 600 Ballspielplätze wurden bisher gefunden. Das Hauptmerkmal der Ballspielplätzen sind die Zielsteine, ihre Abgrenzung erfolgte durch Mauern oder Treppen, welche gleichzeitig als Sitzfläche fürs Publikum dienten.

Die Geschichte des ersten Mannschaftsports, der überhaupt mit einer Gummikugel gespielt wird, beginnt ungefähr 1500 v.Chr. und hatte eine religiöse Bedeutung. Der Ball symbolisierte dabei die auf und untergehende Sonne. Es war über ganz Mesoamerika vom Hochtal von Mexiko im Norden bis zu den Maya im Süden verbreitet wobei die Regeln des Spiels regional unterschiedlich waren.

Bei  dem Ballspiel versuchten zwei Mannschaften einen Kautschukball, dessen Größe vom Tennisball bis zum Fußball reichte, durch einen Ring zu schießen, wobei der Ball nur mit Hüften, Knien, oder Ellenbogen, nicht aber mit den Händen berührt werden durfte und bis zu 3 kg wog. Am Ende des Spiels kam es vermutlich zu Opferhandlungen, denn die Reliefs zeigen oft Opfermesser, abgeschnittene Köpfe und Blut. Nicht überliefert ist, ob am Ende die Siegermannschaft oder die Verlierer geopfert wurden. Montecuzoma II. letzter Herrscher der Azteken wurde von seinen eigenen Leuten 1521 erschlagen.

Tenochtitlán (1325-1521), gebaut in einen See erreichbar per Dammstraße, hatte 200.000 Einwohner war Haupt und Herz des Aztekenreiches. Zum Tempelbezirk Tenochtitláns, der heutigen Hauptstadt Mexikos, gehörte auch ein Ballspielplatz - tlachtli -, eine Einrichtung, die es in den meisten Städten des aztekischen Reiches gab.

Der Spanische Conquestor Hernán Cortés ein einfacher Hauptmann zerstörte mit 600 Mann, 20 Pferden und zehn Geschützen, im Feldzug von 1519 bis zum 13. August 1521 das Aztekische Reich - ein Millionen Volk - mit Unterstützung lokaler Hilfsvölker und der Pest völlig. Nicht einmal 29 Jahre nach der Entdeckung Amerikas 12.10.1492 durch Cristóbal Colón (Christoph Kolumbus). Das Gold der Azteken brachte dem gierigen Hauptmann jedoch kein Glück.

Aus der vorkolumbianischen Zeit sind eine Fülle von Ballspielen belegt. Bei den südamerikanischen Hochkulturen der Mayas und Azteken hatte das Spiel vor allem kultische Bedeutung.

Inka, Maya, Azteken, Mississippi Indianer, Anasazi - Blüte der großen Kulturen

In Nordamerika wurde bei 31 Stämmen eine Art Fußballspiel nachgewiesen. Dennoch ist über die Regeln sehr wenig bekannt. Aus verschiedenen Quellen geht hervor, dass die Indianer die Kunst des Dribbelns mit dem Ball sehr gut beherrschten. Über ein Fußballspiel in Kalifornien wird berichtet, das tagelang dauern konnte. Es war eine Art Weitkicken, wobei wechselweise je ein Spieler zweier Mannschaften den Ball auf die gegnerische Mallinie zuzutreiben hatte. Kombinationen und Kampf um den Ball gab es nicht, dafür feierliche Zeremonien, die auf kultische Bedeutung schließen lassen.


Das Ballspiel im präkolumbischen Amerika

Es ist in der ganzen neuen Welt von Kalifornien bis Peru in verschiedenen Formen verbreitet. Das Gewicht und die Größe des Balls sind von Region zu Region verschieden, von der Größe eines Tennisballs bis zu Bällen die größer sind als ein Fußball und mehr als 3 kg wiegen.

Die Pflanzen, die den Gummisaft (Latex) liefern, aus dem man diese Bälle herstellt, sind in Mexiko der Castillabaum (alquauitl) und der Guayulestrauch (quauitlolli, beide Wörter heißen: Ball-Baum). In Südamerika wird dazu die Hevea brasiliensis gebraucht, die bis heute die Quelle des natürlichen Kautschuks ist. In abgelegenen Gebieten Mexikos wird heute noch das Ballspiel wie in prähistorischen Zeiten gespielt. Die frühesten Ballspielplätze sind aus olmekischer Zeit (1700 bis 200 v. Chr.) und waren einfache, bassinartige Anlagen mit Stützmauern aus Erde. In der klassischen Periode finden sich dann Plätze aus Mauerwerk mit abgesenkten Spielflächen in ganz Mesoamerika.

Man hat verschiedene Typen der Ballspielplätze und des Spiels gefunden:

  • In Teotihuacán war der Ballspielplatz nur ein Abschnitt in der Straße der Toten, der von Treppen und Plattformen eingerahmt war. Zum Spiel gehörten Ziele (steinerne Zielpfähle) an den Enden des Feldes. Es wurde mit Hilfe eines Schlägers wie beim amerikanischen Baseball gespielt.

  • In Monte Albán, Yagúl, Dainzú findet man Felder in Form eines breitgedrückten H (wie im Mayagebiet) mit schrägen, Bänken bildenden Böschungen auf den Seiten, die durch Mauern begrenzt sind.

  • In Xochicalco und Tula befinden sich ebenfalls Plätze in Form eines flachen H, die aber mit seitlich an den Mauern befestigten Ringen versehen sind, entsprechend einer in Chichén Itzá gebrauchten Formel, die von den Tolteken übernommen worden war.

  • In El Tajín sind die Spielplätze als ein in die Länge gezogener Raum entworfen, der seitlich von geradlinigen und senkrechten Mauern (die zwischen 80 und 180 cm hoch sind) eingefasst war.

Während in Teotihuacán mit Schlägern gespielt wurde, war bei den klassischen Maya kein Zubehör erforderlich, abgesehen vom Körperschutz, wie dem breiten, gepolsterten Gürtel über der Hüfte.

       

Ballspielplatz in
Palenque

Es spielten zwei Mannschaften mit je zwei bis drei Spielern. Meistens waren es Männer edler Herkunft, allerdings fand man in Yaxchilán ein Bild, das Frauen beim Ballspiel zeigen könnte. Ziel des Spieles war es den Ball im gegnerischen Spielfeld aufkommen zu lassen, ohne das er den Boden des eigenen Spielfeldes berührte. Dabei durfte der Ball nicht mit den Händen oder den Füßen berührt werden, das heißt es durfte nur der Kopf, die Hüften oder die Knie eingesetzt werden. Bei den unterschiedlichen Kulturen gab es natürlich auch unterschiedliche Spielregeln.

Das Ballspiel wurde anlässlich großer Zeremonien ausgetragen, als Auslosung des Opfers zur Menschenopferung. Viele Wissenschaftler sagen, dass der Verlierer geopfert wurde, aber es könnte auch die Siegermannschaft geopfert worden sein, da der Opfertod eine große Ehre ist und die Geopferten Zugang zum Pantheon haben. Das Ballspiel selber hatte auch ein mythische Bedeutung. Die Bewegungen des Balles symbolisierten die Bewegung der Sonne. Somit unterstützten die Spieler die Sonne bei ihrem Lauf und durften deswegen den Ball nicht fallenlassen.

Frankreich

Auch aus Frankreich existieren Nachrichten über eine Spielart des Fußball: Seit dem 12./13. Jahrhundert wurde das Soule oder Choule-Spiel als typisches Fußballspiel meist am Mardi gras (Fastnacht) ausgetragen Das Spiel ging auf einen germanischen Sonnenkult zurück und war als Oster- oder Brautball auch in Deutschland bekannt. Der Bürgermeister oder ein Bannwart gab das Zeichen zum Spielbeginn und der Ball wurde hoch über die Kirche gekickt, auf der anderen Seite von der gegnerischen Mannschaft aufgefangen. Wie beim englischen Volksfußball soll es dabei sehr wild zugegangen sein.

Italien

Interessant sind Dokumente aus Italien: In Florenz findet heute noch am Festtag Johannes des Täufers (24. Juni) ein historisches Fußballspiel statt ("calcio storico"), das seine Ursprünge im 15. Jahrhundert hat und erstmals um 1460 erwähnt wird. Bei dieser Mischung aus Rugby, Fußball, Ring- und Straßenkämpfen muss eine aus 27 Spielern bestehende Mannschaft den Ball mit "nichtkriminellen" Mitteln über eine Begrenzungslinie bringen.

Die in Venedig und Padua üblichen Regeln wurden 1555, die berühmtere Florentiner Variante 1580 von Giovanni de´ Bardi veröffentlicht. Den Regelbüchern lässt sich entnehmen, dass beide Spiele mit einem luftgefüllten Lederball in der Größe eines heutigen Hand- bzw. Fußballs auf einem Platz ausgetragen wurden, der mindestens doppelt so lang wie breit sein sollte und wohl etwas kleiner als die heute üblichen Plätze waren.
Die Definition des Spiels lautet bei Bardi: "Der Calcio ist ein öffentliches Spiel zweier zu Fuß agierender und unbewaffneter Mannschaften von Jugendlichen, die auf angenehme Weise um der Ehre willen wetteifern, einen aufgepumpten Ball über den gegenüberliegenden Endpunkt hinaus zu bringen." Die Mannschaften bestanden aus 20 bis 40 Spielern pro Partei.
Giovanni de' Bardi widmete seine Abhandlung dem fußballbegeisterten Francesco de' Medici. Aus dem Volkscalcio entwickelte sich im Laufe des 16. Jahrhunderts eine edlere Variante, die im Rahmen höfischer Feste veranstaltet wurde und allein dem Adel vorbehalten blieb.

Die Geschichte des italienischen Fußballverbandes (Federazione Italiana Giuocco Calcio) begann am 16.März 1898 in Turin.
Während einer Versammlung, geleitet von Count D´Ovidio wurde der Ingenieur Mario Vicary zum ersten Präsidenten der Föderation gewählt.

England

Gefolgsleute Wilhelms des Eroberers brachten das Spiel nach ihrem siegreichen "Battle of Hastings" Anno 1066 in East Sussex gegen King Harold nach England.

Die frühsten Belege der Englischen-Fußballgeschichte sind Gerichtsakten anno 1137, in denen über Verletzte und Tote berichtet wird.  England gilt als das Mutterland des Fußballs. Obwohl im Jahr 1314 König Edward II. diesen Sport verbot, weil er angeblich vom Bogenschießen und anderen Kriegskünsten ablenke, nahm der Fußball von hier seinen Ausgang. Bis heute kursiert die Behauptung, dass der erste englische Fußballspieler mit dem Totenschädel eines gefallenen dänischen Soldaten "in pietätloser Weise" vor sich hergekickt habe. Diese Geschichte, im Jahr 1790 in Kingston-upon-Thames erstmals erzählt, hat einen überraschend wahren Kern: Die Brüder Oldyngton, die im Jahre 1321 in Chechire mit dem Kopf des von ihnen ermordeten John de Boddeworth umherkickten, müsste der Ruhm gebühren, den englischen "Fußball" erfunden zu haben.

Das  Grundprinzip des Fußballs - das spielerische Stoßen eines Balles mit dem Fuß - ist in England spätestens seit Ende des 15. Jahrhunderts bekannt.
Bereits aus dem 14. Jahrhundert stammt die älteste noch erhaltene englische Darstellung eines Fußballspiels: eine Schnitzerei am Chorgestühl der Kathedrale von Gloucester.
 Zwischen 1418 und 1440 bestand in London der erste Fußballclub der Welt, eine gut organisierte Brüderschaft. Am Tag der Hl. Katharina (25. November) 1425 fand in der Nähe von Bicester ein Match statt, und Hugh of Lincoln lässt in dieser Zeit eine Ballade "The Jew's Daughter" mit einem Fußballspiel beginnen.

Vom Ende des 15. Jahrhunderts datiert eine Chronik, in der berichtet wird, wie sich William Bartram aus Newark durch ein "Foul" beim Fußballspiel schwere Wunden zuzieht, von denen er sich auf wundersame Weise wieder erholt, als ihm im Traum die glorreiche Gestalt König Heinrichs erscheint. Beschrieben wird das Spiel als eines, bei dem junge Männer "einen großen Ball vorwärtstreiben, indem sie ihn am Boden entlang schlagen und rollen, und das nicht mit ihren Händen, sondern mit ihren Füßen". In einem 1519 veröffentlichten englischen Schulbuch ist davon die Rede, dass man beim Schulsport mit einem luftgefüllten Ball herumkickte.

Heinrich VIII. und die Liebe zum Fußball  - König und Kicker vor 500 Jahren

Er war bekannt für seine sechs Frauen. Das der legendäre englische König Heinrich der VIII. (1491 - 1547) allerdings auch ein begeisterter Fußballfan war, ja noch besser, der erste aktive spielende Monarch der Geschichte gewesen sein soll - diese sensationelle Neuigkeit erfuhren wir erst knapp 500 Jahre später.
Die britische Historikerin Maria Hayward brachte es ans Tageslicht: 1526 bestellte der König "ein paar Schuhe für den Fußball". Sie kosteten vier Schillinge, was heute etwa 150,- Euro entspricht. Zum Zeitpunkt des Auftrags war Heinrich VIII. noch nicht so dick, wie auf dem bekannten Porträt seines Hofmalers Hans Holbein und prahlte mit seinen muskulösen Waden. "Er war sehr Ehrgeizig", sagte Hayward.

"Und wie es sich für einen Monarchen geziemt, nimmt man an, dass er immer gewonnen hat." Das mag allerdings nicht nur an seinem Spielwitz, sondern auch an der Zurückhaltung seiner Gegner gelegen haben: Der König war dafür bekannt, in Ungnade gefallene Höflinge köpfen zu lassen. Das Spielfeld war damals kilometergroß, jedes Team bestand aus hunderten von Spielern. Als Ball diente eine aufgeblasene Schweinsblase und die Mannschaften versuchten, ihn in ihr Dorf zu schießen. Dabei kam es regelmäßig zu wüsten Schlägereien. Zumindest das, soll es ja hin und wieder immer noch geben.

In den Statuten des St. John's College in Oxford (1555) und den Annalen von Cambridge (1579) taucht der Fußball als "Pila Pedalis" bzw. "to play a Foteball" auf.
In Cambridge soll sich der spätere Lordprotektor Englands, Oliver Cromwell, während der Jahre 1616 und 1617 den Ruf erworben haben, zwar kein begnadeter Wissenschaftler, dafür aber "one of the chief Matchmakers and Players at Football" zu sein. William Shakespeare brachte den Fußball zu literarischen Ehren in seinen Stücken "King Lear" und "Komödie der Irrungen". In letzterer lässt er den Dromio sich mit folgenden Worten beklagen:

"Bin ich so rund mit Euch, als Ihr mit mir, dass Ihr mich wie 'nen Fußball schlagt und stoßt? Der stößt mich hin, er her, so stößt mich jeder, bleib' ich bei Euch im Dienst, näht mich in Leder."

«Du, gemeiner Fußballer», ruft der Graf von Kent in Shakespeares Stück «König Lear» aus, um die Anhänger eines Brauchtums, der oft in Kämpfen zwischen Dörfern ausartete, zu geißeln.

Mehr als 23 Mal innerhalb von 300 Jahren (1314 - 1615) sahen sich englische Herrscher gezwungen, diesen Sport zu verbieten. Sie sahen darin eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Weitere Verbote bzw. Aufrufe dazu, wie 1572 vom Bischof von Rochester, scheiterten allerdings. Das Volk setzte sich über die Verbote hinweg.

Der Begriff "Derby" stammt vom berühmt-berüchtigten Shrove-Tuesday-Kampf zwischen den Pfarrbezirken All Saints und St. Peter's in Derby. Am traditionellen Spiel waren damals auf beiden Seiten zwischen 500 und 1000 Akteure beteiligt. Die Spieldauer betrug rund sechs Stunden. Zum Spielfeld gehörte auch der Fluss Derwent.
In England gab es im späten Mittelalter bis hinein ins 19. Jahrhundert "Fußballspiele" zwischen Dörfern, an denen zwei- dreihundert sogar bis zu 500 Spieler pro Partei teilnahmen und bei denen es äußerst wild und ungezügelt zugegangen sein soll, vereinzelt sogar zu Todesfällen kam. Kraft und Gewalt, nicht Geschicklichkeit wurden betont.

Es war ein Volksspiel im wahrsten Sinne des Wortes, an dem ganze Ortschaften teilnahmen. Eine klare Unterscheidung zwischen Spielern und Zuschauern gab es nicht. Die Regeln basierten auf einfachen, ungeschriebenen Gewohnheitsregeln. Das Spielfeld war eben so wenig wie die Dauer und die Anzahl der Spieler exakt festgelegt.

Der Fußball ist rund und der Rugby-Ball oval. Beide Spiel-Arten entwickelten sich aus dem rauen "Folk Football" bzw. "Village Football".

Anfangs des 19. Jahrhunderts war die Verwandtschaft zwischen Fussball und Rugby noch groß. Obwohl im Fussball der Ball grundsätzlich nicht mit den Händen gespielt werden durfte, gestattete die so genannte «Fair-Catch-Regel» den Ball mit der Hand anzuhalten, wenn er hoch zukam.

Der  Fussball bot damals sehr bewegte Szenen. Bevor mit System gespielt wurde war Fussball kein Spiel, sondern ein roher Kampf. Das Ziel war, den Ball über eine lange Torlinie, später zwischen zwei Pfosten und eventuell einer Latte, zu bringen. Die Fußballsitte übernahm allmählich Normen, welche die Aggressivität dämpften. Es entstanden Gewohnheiten bezüglich Einwürfen und Spielzügen. Von diesen Gewohnheiten war die wichtigste, den Ball nicht zu überholen, weil sie dem Spiel Struktur und System gab. So kam es vom primitiven Fussball zu einer kultivierten Zeitspanne.

Um  1850 war der Volksfußball weitgehend verschwunden. In organisierter Form pflegten ihn nur noch die Public Schools. Daneben existierte er als spontanes Spiel in den Arbeitersiedlungen und auf den Pferdekoppeln der Gasthäuser. In den exklusiven Public Schools wandelte sich das Spiel. Der Fussball wurde einem Verregelungs- und Zivilisierungsprozess unterzogen. Eine feste und formale Organisation sowie ein vielfältiges und schriftlich niedergelegtes Regelwerk entstand. Die - entgegen ihrem Namen - privaten Bildungseinrichtungen, von unabhängigen Stiftungen betrieben, wurden im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit gegründet: Winchester 1382, Eton 1440, Rugby 1567, Harrow 1571.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts begann man mit der Zähmung des widerspenstigen Spiels: am 26. Oktober 1863 wurde in einem Londoner Gasthaus - der Freemason's Tavern in Lincoln's Inn Field - die Football Association gegründet (aus diesen beiden Worten entstand wenig später der neue Begriff soccer). Nach zweiwöchigem Sitzungsmarathon wurden in der Freimaurer-Taverne in London die ersten 13 Regeln der Football Association verabschiedet. Die Rugby-Freunde verließen die Sitzung und gründeten ihren eigenen Verband. Das "handling game" hatte sich vom "dribbling game" losgesagt. Die Ballberührung mit der Hand war nun ebenso verboten wie das Tragen von hervorstehenden Nägeln oder Eisenplatten an den Schuhsohlen! Fußball war einfach zu spielen und nicht an weichen Rasen gebunden. Weicher Boden war für das Rugby ebenso unentbehrlich wie reißfeste Kleidung.

Gründungmitglieder waren junge englische Gentlemen, Vertreter von zahlreichen Universitäten, Schulen und Footballclubs. Sie wollten Football mit allgemein gültigen Regeln ausstatten. "Elf" wurde die magische Zahl, die ein Jahrhundert später Millionen in ihren Bann ziehen sollte. Gewalt im Spiel wurde verboten. Das war die Geburtsstunde des modernen Fußballs.

Zwar dominierte noch 1880 das härtere Rugby-Spiel. Die Times schrieb damals, dem Rugby Union Game seien doppelt so viele Spieler verpflichtet wie dem Association Game. Die Mehrzahl der öffentlichen Schulen spielte noch meist Rugby, das sollte sich aber bald ändern Das Rugby-Spiel kannte 59-Regeln, Soccer dagegen nur wenig mehr als 10-Regeln je nach dem welchen "Rules" man sich verpflichtet fühlte. Der moderne Fussball war deshalb für Spieler und Zuschauer leichter verständlich. Zudem war er attraktiver, da variantenreicher, offener und flüssiger. Soccer war auch "demokratischer", da nicht wie bei Rugby große und kräftige Männer bevorzugt wurden, sondern ganz unterschiedliche Spielertypen Verwendung fanden.

Soccer stand allerdings nicht nur in Konkurrenz zum Rugby, sondern auch zum Cricket. Das englische Spiel Cricket, dessen moderne Regeln bereits im Jahr 1774 vom Duke of Dorset niedergelegt wurden, bedeutete im 19. Jahrhundert

  • für den Aristokraten Jagen, Schiessen, Fischen und Cricket,

  • für den Studenten Rudern, Rugby und Cricket

  • für den Arbeiter Fussball, Darts, Windhundrennen und Cricket.

Das englische Nationalspiel hat denn auch Redensarten wie it´s not cricket (das ist nicht fair) hervor. Cricket symbolisiert wie kein anderes Spiel den Fair-Play-Gedanken. Natürlich waren insgesamt die Engländer als Taufpaten des Fussballs führend. Zum Ende des 19. Jahrhunderts trat ... ein einstmals ungesetzliches Spiel, Football genannt - seinen endgültigen Siegeszug um die Welt an.

Das  erste offizielle Länderspiel der Fußballgeschichte findet am 30. Nov. 1872 zwischen Schottland und England in Glasgow statt. Endstand 0:0.

Die Football Association wuchs rasant: 1871 gab es 50 Clubs, 1888 ca. 1000 und im Jahr 1905 bereits über 10.000. 1871 wurden die Pokalspiele in England eingeführt. Der Export auf den Kontinent lahmte etwas. Germania Tempelhof (Berlin) wurde 1888 der erste deutsche Fußballverein. Das Spiel wurde von vielen Erziehern (Turnvätern) hierzulande als "Englische Krankheit" gebrandmarkt, weil es ihnen wenig ertüchtigend und zu wild schien. Das erste Länderspiel Deutschland-England am 24. November 1899 auf der "Rennbahn am Kurfürstendamm" ging übrigens mit 2:13 Toren verloren. Das ehemalige "Hippodrom" ist heute ein Busparkplatz hinter dem Zoologischen Garten Berlin.

Nach dem Franzosen Jules Rimet, 1921 bis 1954 FIFA-Präsident, war der erste WM-Pokal benannt worden. 1930 wurde die Trophäe zum ersten Mal verliehen. Im heimischen Montevideo gewann Uruguay als erstes Team den WM-Titel. Für den "Coupe Jules Rimet" der Auftakt zu einer unglaublichen Geschichte.

Kurz vor der WM 1966 in England wurde die Trophäe auf einer Ausstellung gestohlen. Einige Tage später fand ein Hund namens Pickles den vergrabenen Pokal. 1983 blieb das Happy-End aus. Die Trophäe, die 1970 nach dem dritten WM-Sieg der Brasilianer in deren Besitz überging, wurde in Rio de Janeiro erneut gestohlen und wahrscheinlich eingeschmolzen.
Bis Heute ist Fußball-Football-Soccer die populärste Sportart geblieben. Wer hätte damals, zur Zeit der Huang-Dynastie 2697 v.Chr., also vor 4700 Jahren gedacht dass das Ts'uh-küh (d.h., den Ball mit dem Fuß stoßen) von zigmillionen Aktiven und Milliarden von Fans zelebriert wird.

 

 

 
 

 

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